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Tuesday, August 12, 2008

und noch ein film....


....den man unbedingt gesehen haben muss! Andreas und ich kamen ganz erfüllt und verzaubert aus dem kino, obwohl doch nur vom alltag erzählt wird.....

Friday, August 8, 2008

à voir absolument


Poppy heißt eigentlich Pauline, sie ist 30 Jahre alt und arbeitet als Grundschullehrerin – und wenn man die junge Frau so sieht, kann man sich keinen besseren Beruf für sie vorstellen. Denn Poppy ist ein stets gut gelauntes, knallbunt gekleidetes Energiebündel, das gerne und viel lacht und unglaublichen Spaß am Leben hat. Und da sie das Herz auf dem rechten Fleck hat, kann sie auch gut zuhören, ist ernsthaft, wenn die Situation es erfordert – so etwa bei einem Schüler, der vom Geliebten der allein erziehenden Mutter geschlagen wird –, um im nächsten Moment die dunklen Wolken einfach wieder wegzulachen. Kurzum: eine erstaunliche Frau, deren lebensbejahende, beinahe anarchistisch wirkende Haltung sich auf ihre Umwelt überträgt – eine Art erwachsene Pippi Langstrumpf.

Mike Leigh begleitet seine wundervolle Hauptperson voller Liebe und Zärtlichkeit, zeigt sie in der Disco, beim Tratschen mit ihren Freundinnen, bei ihren ersten Fahrstunden bei einem äußerst grimmigen und leicht paranoiden Fahrlehrer (Eddie Marsan), der sich prompt in sie verliebt – die einzige Situation, in der die Zuschauer sich wirklich Sorgen um sie machen müssen -, er zeigt ihre komischen Grimassen und Verrenkungen bei der wohl lustigsten Flamenco-Stunde der Filmgeschichte und lässt sie schließlich sogar die Liebe finden.

Happy-Go-Lucky ist ohne Frage einer der heitersten und unterhaltsamsten Filme dieses Sommers, eine Ode an das Leben und an die Freude, die in jeder Sekunde ein beredtes Zeugnis von der Kraft des positiven Denkens ablegt. Bei so viel Düsternis und Problemen, wie wir sie alltäglich im Leben und im Kino sehen, ist dieser Film wie ein wohltuender Urlaub von all der Mühsal und Not, der wir täglich ausgesetzt sind. Gäbe es Filme auf Rezept, so wäre Happy-Go-Lucky mit Sicherheit eines des bevorzugten Medikamente gegen jede Form von Missstimmung und Depression.

(Joachim Kurz in kino-zeit.de)


Diesen herrlichen Film haben wir leider erst am Dienstag gesehen... er läuft hier mittlerweile nicht mehr im Kino. Die Kritik stimmt haargenau!


Tuesday, July 29, 2008

das war gar nichts


der zeitungskritiker hatte leider recht. Mamma Mia ist ein unsäglich blöder film, der nicht so schlecht ist, dass er wenigstens durch seine stümperhaftigkeit interessant wirken könnte. ständig hüpft, rennt, grient, grimassiert es in diesem film. nichts kommt zur ruhe, nichts kann wirken. bis auf pierce brosnan sind alle gut bei stimme und wollen das auch unbedingt beweisen. merryl streep brüllt jedes lied in die knie und schauspielert als ob es um ihr leben ginge. die jugendlichen hauptdarsteller sehen aus wie frosch und kröte und auch ein paar griechen dürfen mitspielen. sie stehen immer in grupen von 10 bis 15 um einen putzigen esel oder einen topf herum. gedreht wurde das ganze wahrscheinlich von den machen der ouzo- und der feta-werbung. aber der film hat mich nun auch nicht wirklich geärgert. heute früh hatte ich schon fast vergessen, dass ich gestern im kino war.



Friday, April 11, 2008

Walk on Water


Gestern auf "arte" gesehen. Immer wieder die Frage der Schuld, die einen aufwühlt und verstört. Ich weiß nicht, ob das nur in meiner Generation noch vorkommt, denn obwohl ich persönlich völlig unbelastet bin (meine Eltern sind zu jung und die Großväter waren Sozialdemokraten vom alten Schlag), frage ich ich immer wieder wie ich selbst reagieren würde. Aber zu einer Gewissheit kann man nicht kommen, da müsste man schon die Höllen der Vorzeit absteigen. Diese Kritik fand ich im "taz"-Archiv:


In Eytan Fox' Film ,"Walk on Water" (hebräisch ללכת על המיים Lalechet al haMajim) gehen ein Mossad-Auftragskiller und der Enkel eines Nazi-Verbrechers auf Selbstentdeckungsreise
VON JAN-HENDRIK WULF

Axel Himmelman ist deutsch, schwul und lebt, obwohl er einen Nazi-Kriegsverbrecher zum Großvater hat, offenkundig mit sich und der Welt im Einklang. Eyal ist Israeli, Macho, Mossad-Auftragskiller und hat ein Problem. Während er auf Mission in Istanbul einen mutmaßlichen Hamas-Aktivisten per Giftspritze ins Jenseits befördert, nimmt sich seine Frau mit Schlaftabletten das Leben. In ihrem Abschiedsbrief beklagt sie, dass Eyal nur noch Todesstimmung verbreite. Kaum verwunderlich, dass Eyal die von seinem Vorgesetzten ohnehin nur halbherzig angeratene Psychotherapie in den Wind schlägt und sich lieber auf den nächsten Auftrag stürzt: den untergetauchten deutschen Altnazi Alfred Himmelman ausfindig zu machen und zu töten, bevor dieser durch natürliches Ableben seiner Strafe entgeht.


"Walk on Water" heißt der dritte Spielfilm des israelischen Regisseurs Eytan Fox. Er zeigt die Geschichte einer deutsch-israelischen Männerfreundschaft und erzählt von der Sehnsucht nach einem von sexistischen und nationalistischen Klischees befreiten Blick und einem besseren Leben. Auch hier sieht das Agentenauge nur, was es sehen will: Eyals neuer Beschattungsauftrag nimmt unter den Deutschen eine seltsame Wendung und führt ihn am Ende zu sich selbst.
Um Himmelman auf die Spur zu kommen, trifft sich Eyal (Lior Ashkenazy) Kontakt mit dessen Enkel Axel (Knut Berger), der gerade seine Schwester Pia (Caroline Peters) im Kibbuz besucht. Eyal bietet ihm seine Dienste als Fremdenführer an und will ihn dabei aushorchen. Und indem er sich professionell in Leben und Ansichten dieses zumindest in Nahostfragen unbedarften Deutschen hineindenkt, beginnt auch schon seine Therapie.
Denn Axel kommt mit seiner selbstlosen, vorurteilsfreien Art anscheinend gut durchs Leben. Am Kinnereth-See balanciert er verträumt auf einem in das Wasser ragenden Ast. Als Eyal sich darüber mokiert, erteilt ihm Axel eine erste Lektion in Sachen Lebenskunst: "Du musst dich frei machen. Keine Negativität, keine schlechten Gedanken." Dann könne man auch auf dem Wasser gehen. Seiner Schwester Pia, die sich später darüber beklagt, wegen ihres Nazi-Opas in Israel auf Beziehungsprobleme zu stoßen, rät er: "Wenn du dich selbst akzeptierst, akzeptieren dich die anderen." Auch da hört Eyal über ein verstecktes Mikro alles mit. Im Hintergrund läuft bei ihm die Berichterstattung über ein Selbstmordattentat.
So banal und blauäugig Axels Lebensweisheiten klingen, Eyal muss zu alledem in taktischer Verstellung gute Miene machen. Auch zu Axels Vorliebe für israelischen Volkstanz. Zu seiner zwanglosen Urlaubsbeziehung mit einem Palästinenser. Warum das Leben in Israel so kompliziert sein muss, will Axel nicht verstehen. Beklagen kann sich Eyal darüber nur in konspirativen Telefonaten mit seinem Chef: "Heute hätte ich ihn fast vermöbelt." Tiefere Einsichten können die Männergespräche mit Axel ohnehin nicht vermitteln: "Stimmt es, dass israelische Männer ungern über Gefühle reden?", fragt Axel, und Eyal bleibt die Antwort schuldig. Natürlich fällt es auch Axel schwer, richtige Worte für das Dritte Reich zu finden.
Angesichts der Gelegenheiten zum kulturellen Austausch zwischen einem Deutschen und einem Israeli bleiben die historischen Debatten in diesem Film enttäuschend banal. Doch das scheint Methode zu haben. Denn als wortlose Antithese präsentiert der Film recht eindeutig die Wohlfühldimension einer von Axel gelebten Zwanglosigkeit. Dass er darin so gar keine Individualität entfaltet, lässt ihn flach und programmatisch erscheinen - was nicht an den vom Drehbuch im Übermaß angebotenen und doch immer wieder unterlaufenen Gelegenheiten zu vertiefender historischer oder politischer Reflexion liegt. Filmisch präsent ist Axel nämlich nur als Eyals Beschattungsobjekt und so als Projektionsfläche für seine zunächst nur widerwillig eingestandene Sehnsucht, dass ein bisher verfehltes und nur am privaten Glück orientiertes Leben möglich wäre.
Eyal folgt seinem Objekt bis nach Berlin. Auf einer Familienfeier bei Axels Eltern hofft Eyal den alten Nazi endlich zu stellen. Beziehungsreich bewohnen die Eltern eine Villa am Wannsee. Hier ist die Atmosphäre so wohlhabend deutsch, so aufgesetzt und betulich wie in einem Derrick-Krimi: Alle müssen immerzu uneindeutig verdruckst und mit verschmollten Gesichtern herumlaufen. Doch am Ende gibt es einen Showdown mit Tränen, Läuterung und zumindest für Eyal die ganz private Umkehr in ein besseres Leben.

"Walk on Water", Regie: Eytan Fox. Mit Lior Ashkenazy, Knut Berger u. a., Israel 2004, 104 Min.